LUSORIUM



Das Winterbett (2003) | The garden (2009) | Quarrtsiluni (2011)

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Schon zur letzten Produktion "Quarrtsiluni" im Jahr 2011 war im Zusammenspiel aller künstlerischen Bereiche eine stärkere Gewichtung der musikalischen Anteile angedacht. Vielleicht war die Zeit damals aber noch nicht reif genug. So wurde "Quarrtsiluni" ein spannender Hybrid: die Hörszenen reichten bei aller Plothaftigkeit weit in surreale Klang- und Vorstellungswelten hinein und verschmolzen mit stark musikalisch geprägten Klangszenen und reinen Musikstücken auf der Livebühne. Doch es war immer noch ein Klangraumtheater, kein Konzertstück. - Mit der neuen Produktion, für die die Planungen in 2016 beginnen, soll dies nun anders werden.

In allen bisherigen Produktionen war die Handlung, die Geschichte einerseits ein hilfreicher roter Faden, an dem entlang man sich durch den Abend lauschte. Aber sie besaß eben dadurch auch eine Eigengravitation, die stets stärker war als die der Musik. Die Musikgeschichte ist natürlich reich an Beispielen von der Musik als Untertan, zumal im Bereich des Musiktheaters. Auch bei uns diente die Musik zumeist der Handlung, auch dem Konzertort (Kirchenräume!) und hatte deshalb Kompromisse einzugehen, vor allem hinsichtlich der Arrangements und der Texte. Das konnte ihr auch zum Vorteil gereichen: als Dienerin stand sie nicht in vorderster Reihe, man machte sie nicht verantwortlich, wenn die Geschichte nicht gefiel, ja, oft mag sie gerade in ihrer Zurückgestelltheit sogar die eigentliche Herrin des Abends gewesen sein.

Aber bei aller Faszination für im Raum sich entfaltende Geschichten, für Klangburgen und starke Handlungsstränge hat ich doch oft auch das Gefühl, der Verantwortung für die Musik nicht gerecht zu werden. Im Innersten, in meinem Innersten, aber auch im Innersten des Lusorium und seiner Vorläuferprojekte, wohnte immer sie. Und mit der zunehmenden Anzahl an Produktionen (insgesamt sieben in zwanzig Jahren) bekam sie für mich mitunter etwas gleichsam Aschenputtelhaftes, mit all der innewohnenden Sehnsucht, dem zu entkommen.

Die Blüten dieser Sehnsucht sollen nun das Herz der neuen Produktion werden. Diese Sehnsucht hat lange genug gebraucht, um eine Gestalt anzunehmen. Eine Gestalt, von der ich hoffe, dass sie beständig bleiben und wachsen wird. Und so steht der Titel "The blossoms of yearning" als ein Schirm für ein völlig neues Konzertkonzept, in dem wir klassische Vokalmusik eines Ensembles mit elektronischen und akustischen Klängen und Musikstücken verbinden wollen. Zusammengeführt von Lead-Vocals, die Texte in ausschließlich englischer Sprache singen werden. Umgeben von Klangräumen, die die Fantasie der Hörer und der Ausführenden über den Konzertraum hinaus in die Welt wandern lassen wollen.



LUSORIUM Theatre of sound

Das LUSORIUM Theatre of sound führt Musiker, Musikensembles, Sprecher, Bühnenbilder und Veranstaltungstechniker sowohl aus dem professionellen wie auch aus dem Laienbereich zusammen. Die Werke werden über mehrere Monate hinweg gemeinsam erarbeitet. 

DIE PRODUKTIONEN

 
QUARRTSILUNI
Produktion: 2010 / 2011
UA: April / Mai 2011, Berlin
Sprachen: deutsch / englisch / französisch / italienisch / polnisch / türkisch
Sound: Stereo / 16-kanaliger Klangkokon

THE GARDEN
Produktion: 2008 / 2009
UA: November 2009, Berlin
Sprache: deutsch / französisch / norwegisch / spanisch / türkisch
Sound: Stereo / 24-kanaliger Klangkokon

DAS WINTERBETT
Produktion: 2002 / 2003
UA: Januar 2003, Freiburg
Sprache: deutsch / italienisch
Sound: Stereo
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QUARRTSILUNI (2011)

 

A Rite of Devotion and Silence

Ein Spheratorium für eine Sängerin, Instrumentalensemble, Glasharfenensemble und Hörszenen im Raum

Die Besucherin. Ein altes Haus wartet auf eine nächtliche Besucherin. Drinnen ein großer Spiegel: Der Spiegel des Lauschens. Wer ihn durchschreitet, findet das Haus verwandelt in einen Tempel des Hörens. Die Besucherin wird die Schwelle des Spiegels überschreiten. Sie wird eintauchen in die Stille von Quarrtsiluni, die Stille der Heiligen Gesänge. Lauschend wandelt sie durch nächtliche Zimmer, vergessene Kammern, verborgene Seelenwinkel. Und aus der Stille der verwinkelten Flure und verlassenen Räume wachsen Erinnerungen, erheben sich verloren geglaubte Träume und Sehnsüchte: ferne Kinderstimmen auf einem Anrufbeantworter, ein Sommertag am Meer, eine Begegnung mit dem verstorbenen Vater.
Der Tempel des Hörens. Die Berliner Parochialkirche: Über den ganzen Hauptraum verteilt weben Lautsprecher ein Geflecht aus Geräuschen, Dialogsplittern und Melodiefragmenten. Quarrtsiluni verwandelt das Kirchenschiff in einen lebendigen Klangkokon. Von den geschichtswunden Wänden hallen – mal balladesk, mal ostinat – Kammermusiken, gespielt von Instrumentalisten des Lumoon Consort. Magische Harmonien von Glasharfen schweben durch den Raum und die weiten, eingängigen Gesangsbögen der Besucherin tragen ihre Traumbilder hinaus in die Nacht. Alles Gehörte leitet die Sinne, legt die Spur jenes Sehnens, das die Besucherin in das alte Haus, den Tempel des Hörens, führte. Und aus akustischen Mosaiksteinen setzt sich allmählich ein Bild zusammen – das Bild dieses Menschen, der die geheimnisvolle Besucherin sein könnte.
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Konzeption, Buch, Musik & Klangräume
Steffen Raphael Schwarzer

Bühne & Bühnenbau
Annette Meyer & Kristjan Meyer-Dobrinski
Licht und Videotitel
Thomas Ploentzke

Uraufführungen
Parochialkirche Berlin, 15. April - 7. Mai 2011 mit
Christiane Mikoleit - Gesang
Maximilian Bahr, Jonas Fehrenberg - Ak. Gitarre
Paula Sell - Akkordeon
Louise Pühn, Katharina Steinbeis - Harfe
Florian Tippe - Bassklarinette
Steffen Raphael Schwarzer - Synthesizer
Guido Großmann - Kontrabass
Catrien Stremme - Drums & Percussion

Nazli Bagci, Janet Glatzer, Melissa Kuna, Erika Kühn, Lucie Lohse, Benjamin Runge, Sophie Schnider, Berit Stegmann, Fabian Wagner, Tobias Wringe - Glasharfen
(Schülerinnen und Schüler der Bertha-von-Suttner-Oberschule Berlin - Betreuung: Erika Kühn)

LiveSound
Martin Offik, Teresa Kunz
Audioszenen - Sprecher/innen
Carmen: Stefanie Peyk
Jean: Jean-Jacques Hoffner
La Majuaq: Annie Kleff
Emilio: Tiberio Snaidero
Francesca: Carlotta Gelsomini
Valentina: Eva Sansone
Großvater: Steffen Raphael Schwarzer
Herr Rudszinski: Dominik Sobacki
Trakl-Rezitator: Torsten Krüger
türkische Schülerinnen:
Nazli Bagci & Tugce Celep
Jury-Leiter: Muharrem Bagci
Sara: Caterina Snaidero

Controlling Soundcocoon
Brian Krüger

Übersetzungen
Franziska Rowbury, Alexia Lingenheld, Dominik Sobacki, Nazli Bagci, Tiberio Snaidero

Artwork und Fotografien
Gernot Kolberg

Social Media
Alexia Lingenheld

THE GARDEN (2009)

 

Fünf Klangspuren in eine vergessene Welt

Ein Spheratorium für Gesangssolist/innen, gemischten Chor, Instrumentalensemble, Glasharfen und Hörszenen im Raum
- Koproduktion mit dem Deutsch-Französischen Chor Berlin -

In fünf Ländern spielen die Ereignisse von “The Garden”: in der einsamen Behausung eines norwegischen Uhrenbauers, in einem Wasserhöhlensystem in der Türkei, in einem Archiv für historische Stimmaufnahmen in Deutschland, in einem französischen Musikerhaus und in einer lärmenden Spielhölle in Spanien. Den Menschen an diesen Orten ist bei aller Verschiedenheit der Umstände eines gemeinsam - eine tiefgreifende Sehnsucht, die ihr jeweiliges Leben bestimmt und sie zu neuen Ufern drängt. Jenseits dieser Ufer, von einem vergessenen mythologischen Ort aus werden sie beobachtet von zwei Engeln.
Es sind die letzten beiden jener sagenhaften Cherubim, die nach der Vertreibung der Menschen am Eingang des paradiesischen Gartens aufgestellt wurden, um ihn zu bewachen. Auch diese beiden Cherubim sind von einer Sehnsucht erfüllt: nicht vergessen zu werden an ihrem einsamen Ort im Nirgendwo, nicht spurlos zu verschwinden wie all die anderen ihrer Art. Und so fasst einer der beiden Engel den Entschluss, in die Welt der Menschen einzudringen und dort Spuren auszulegen, die sie entgegen dem göttlichen Verbot zurück in den geheimen Garten führen sollen.

"The Garden" ist ein Nachtspiel, ein Rätselstück, angesiedelt im fragilen Grenzbereich zwischen Leben und Tod, zwischen Realität und Mythos.
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Konzeption, Musik & Audioszenen
Steffen Raphael Schwarzer

Bühnenbau
Jean-Jacques Hoffner, Gerhard Rehbein u.a.
Ausstattung
Christiane Hoffner, Helga Rehbein
Licht und Videotitel
Thomas Ploentzke

Uraufführungen
Heilig-Kreuz-Kirche Berlin, 14. / 15. / 20. / 21. November 2009 mit
Esther Kaiser - Jazzsopran
Christiane Mikoleit - klassischer Sopran
Kristofer Benn - Jazzbariton
Maximilian Bahr, Jonas Fehrenberg - Ak. Gitarre
Paula Sell - Akkordeon
Simon Lohss - Bass
Charly Köhn, Johannes Schneider, Nils Velte - Drums

Nazli Bagci, Janet Glatzer, Jolan Köhler, Lucie Lohse, Mareike Michalke, Benjamin Runge, Jeanine Schadow, Sophie Schnider, Lorna Schütte, Denise Schulz, Laura Thedja, Tobias Wringe, Annika Ziegler - Glasharfen
(Schülerinnen und Schüler der Bertha-von-Suttner-Oberschule Berlin)

LiveSound
Leitung: Holger Schwark
Studierende des Tonmeisterinstituts der UdK Berlin:
Justus Beyer, Simon Böttler, Teresa Kunz, Johannes Müller, Henrike Zeller

Controlling Soundcocoon
Brian Krüger
Buch
Handlung:
Steffen Raphael Schwarzer, Torsten Krüger
Dialoge:
Torsten Krüger
Script-Consultants:
Mark Kleber, Stefanie Peyk, Alexia Lingenheld u.a.

Audioszenen - Sprecher/innen
Engel-Episode:
Mark Kleber
Prolog:
Derya Takkali, Sylvain Hoffner
Deutschland-Episode:
Ilse Junge, Olaf Baden, Stefanie Peyk, Alexander Nachama
Frankreich-Episode:
Mariam Kalaf, Caroline Fischer, Alexia Lingenheld, Anne Waelbroeck
Norwegen-Episode:
Bjarte Alvestad, Jana Eder
Türkei-Episode:
Güliz Yazicioglu, Derya Takkali, Sabriye Yildirim, Serdan Gül
Spanien-Episode:
Rosaorio Jimenez, Néstor Perdo, June Telletxea, Xavier Ballester

Übersetzungen
Joachim Kallevig, Alexia Lingenheld, Güliz Yazicioglu, Inma González, Anna Domenech

Fotografien
Gernot Kolberg

Website gardenQ.de
Stefanie Peyk & Alexia Lingenheld

Das Winterbett (2003)

 

Ein Nachtstück über den Komponisten und Mörder Carlo Gesualdo nach dem Roman ''Tynset'' von Wolfgang Hildesheimer und historischen Begebenheiten

Die Nacht des 17. Oktober 1590: Carlo Gesualdo, Fürst von Venosa, überrascht seine Frau mit einem Liebhaber. Seine Rache ist grausam. Er ermordet die beiden noch im Bett und verstümmelt ihre Leichname. Doch Carlo Gesualdo ist nicht nur der brutale Mörder, als den ihn das Publikum im Hörspiel erlebt.
Er ist auch ein bedeutender Komponist - im Wechsel mit den Hörszenen lässt das Vokalensemble seine Madrigale und Responsorien erklingen. Dazwischen: die Gedanken eines Mannes. Jahrhunderte nach der Bluttat liegt er in dem Bett, in dem damals der Mord geschah – im “Winterbett”.
Wer ist dieser Mann und was verbindet ihn mit dem Komponisten und Mörder Gesualdo?
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Konzeption, KlangWerk, Textbuch
Steffen Raphael Schwarzer

Bühne & LichtWerk
Manfred Loritz
Rezitationstexte
aus 'Tynset' (1965) von Wolfgang Hildesheimer
Vokalmusik
Carlo Gesualdo di Venosa (1566-1613)
Tómas Luis de Victoria (1548-1611)

Uraufführungen
Christuskirche Freiburg, 29. & 31. Januar 2003 mit
Ullo von Peinen - szenische Rezitation
John Sheppard Ensemble - Vokalmusik
(Johannes Tolle - Leitung)

Ton- & Lichttechnik
Klangregie & Gesamtleitung: Steffen Raphael Schwarzer
Leuchtobjekte & Lichtregie: Manfred Loritz
Technische Assistenz: Gottfried Vosgerau
KlangWerk - Sprecher/innen
Das Fürstengrab (Sprecher): Martin Magestro
Carlo Gesualdo: Stefano Carrera
Bardotti: Klaus A. Kiewert / Michele Mascia
Maria d'Avalos: Caroline Lang
Silvia: Ruth Mader-Koltay / Katharina Meyer

Casting: Katharina Meyer, Steffen Raphael Schwarzer

Wolfgang Hildesheimer: Tynset
Textauswahl und -einrichtung: Steffen Raphael Schwarzer, Ullo von Peinen
Verlagsrechte: Suhrkamp Verlag Frankfurt, mit frdl. Genehmigung

Übersetzungen
Caroline Lang, Leonardo Madonia, Stefano Carrera

Lektorat
Katharina Meyer

Pressereferentin
Katharina Meyer